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Österreichischer Städtetag im Montforthaus – Im Zeichen eines neuen Miteinanders

»Für ein neues Miteinander« lautete das Motto des 68. Österreichischen Städtetages vom 6 bis 8. Juni 2018. Die Stadt Feldkirch – anlässlich ihres 800-jährigen Jubiläums erstmals Gastgeberin des Events – bildete mit ihrer jahrhundertelangen humanistischen Tradition den idealen Rahmen für die Diskussion der gesellschaftlichen Zukunft. Die dreitägige Veranstaltung, an der rund 1000 Gäste teilnahmen, stellte anspruchsvolle Aufgaben an die Organisation.
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Gemeinsam diskutieren, was Europa, Österreich, die Kommunen und die Gesellschaft zukunftsfähig macht – dafür könne es keinen besseren Zeitpunkt geben als das 800-jährige Jubiläum von Feldkirch, erklärte Wilfried Berchtold bei der Eröffnung erfreut über die Austragung des Österreichischen Städtetages in der Montfortstadt. »Feldkirch ist ein guter Ort, um über diese Frage nachzudenken«, zeigte sich der Bürgermeister in seiner Rede überzeugt. »Denn Feldkirch hat nicht nur eine jahrhundertelange humanistische Tradition, sondern ist es als Grenzstadt und westlichste Stadt Österreichs gewohnt, über den Zaun zu blicken und ihren Blickwinkel immer wieder zu erweitern.«

Damit der Städtetag für diese wichtige Diskussion im Montforthaus Feldkirch optimale Bedingungen vorfinden konnte, war eine Planung notwendig, die über den regulären Aufwand für eine Veranstaltung weit hinausgeht. »Das ist keine Floskel, die Organisation eines Städtetages erfordert einen hohen Aufwand«, brachte es Michael Häupl bei der Pressekonferenz auf den Punkt.

Zwei Jahre nahm die Vorbereitung, in der das Team des Montforthauses auch die Zusammenarbeit mit zahlreichen externen Partnern koordinierte, in Anspruch. Um die volle Dimension der Veranstaltung abdecken zu können, musste sogar die Logistik erweitert werden. Dafür wurde auf dem Leonhardsplatz direkt vor dem Montforthaus ein großes Zelt errichtet. Dieses wurde neben der begleitenden Ausstellung auch für das Catering genutzt. Drei Tage lang machte die Montforthaus Gastronomie den Städtetag für die rund 1000 Gäste zum kulinarischen Erlebnis.

Gemeinsam kritisch nachdenken

In vier Arbeitskreisen beschäftigten sich die Tagungsteilnehmer mit brennenden Fragen der Zukunft. Diskutiert wurde unter anderem über die künftige Finanzierung der Pflege, die Digitalisierung, die schulische Nachmittagsbetreuung und die Zusammenarbeit zentraler Orte mit dem ländlichen Raum.

Zum Abschluss diskutierten Sprachwissenschafterin Ruth Wodak, Biochemikerin Renée Schroeder, Ehrenpräsident des Städtebundes Michael Häupl, Felkirchs Bürgermeister Wilfried Berchtold und Ulrich Maly, Oberbürgermeister von Nürnberg unter Moderation des langjährigen ORF-Journalisten Raimund Löw über politische Sprache und Kultur.

Ruth Wodak griff in ihrem Impulsreferat auf eine Studie der Bertelsmann-Studie zurück und erläuterte, warum ältere, weniger mobile Menschen am meisten Angst vor Globalisierung hätten und zudem Globalisierung mit Migration gleichsetzten. Jüngere Menschen, die auch mobiler seien, hätten weniger Angst vor MigrantInnen. Sie würden diese öfter treffen, die Angst sei daher nicht so groß. Die Studie weise darauf hin, dass Menschen vor allem »Angst vor Dingen haben, die sie nicht kennen.« Dahinter steht für Wodak eine Debatte über Begriffe, die auch Meinung und Ideologie ausdrückten: »Grenzzaun, Grenzmanagement oder Obergrenze – jeder dieser Begriffe ist mit Werten belastet.« Damit würden sehr schnell Positionen markiert. »Sprache dient auch als Vorbereitung und Manifestation für politische Ideologie und für Gesetzwerdung und Implementierung.«

Auf der anderen Seite sieht die Sprachwissenschafterin eine Gefahr darin, dass aus »Fakten Meinungen gemacht werden.« Wenn, beispielsweise bei Deutschförderklassen, eine klare wissenschaftliche Expertise vorliege, würde diese ignoriert oder man antworte darauf mit »I agree to disagree.« Dadurch würden Fakten zu persönlichen Meinungen degradiert – laut Wodak eine Gefahr für die Wissenschaft. Eine Lösung gegen Populismus und Politikverdrossenheit sah Wodak darin, eine »andere Art von Dialog« mit der Bevölkerung zu suchen, mehr Partizipation zu ermöglichen und »die Vielstimmigkeit der Öffentlichkeit zu bewahren.«

Freundschaft im besten Sinn

Ein besonderer Höhepunkt des Städtetages war die Übergabe der Städtebund-Präsidentschaft. Michael Ludwig wurde von den Delegierten einstimmig zum Nachfolger von Michael Häupl gewählt. Einstimmig wurde auch eine Resolution beschlossen, die dem Österreichischen Städtebund als Grundlage für Verhandlungen mit Bund und Ländern dient.

Für Feldkirch als Gastgeberstadt fanden beide, der neue und der alte Präsident, nur lobende Worte. Michael Häupl, zum Ehrenpräsident des Städtebundes ernannt, bedankte sich »für die freundliche Einladung und die große Gastfreundschaft.« Michael Ludwig stimmte in die Worte seines Vorgängers ein: »Es wurde mehrfach schon gesagt, und ich möchte es abschließend noch einmal besonders betonen: Wir sind hier in Feldkirch wirklich sehr, sehr gut aufgenommen worden und zwar nicht nur sehr kompetent und sehr umsichtig, sondern wirklich freundschaftlich im besten Sinn.«

Fotos: Markus Wache